Die Schule sieht sich heute einer steigenden Zahl von Anforderungen ausgesetzt, die das Ergebnis der sozialen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte sind:
Als guter Liberaler antwortet der Unterrichtsminister Claude Meisch auf diese Probleme mit der Förderung der Konkurrenz und des Wettbewerb zwischen den Schulen – der breiten Öffentlichkeit eine Ausweitung der „Autonomie“ und der „Vielfalt“ der verschiedenen Schuleinrichtungen, ja sogar als „Entpolitisierung“ der Schule verkauft.
Die unterschwellige Ideologie dieser Herangehensweise lässt durchblicken, dass die Schüler (oder eher noch ihre Eltern) als Kunden betrachtet werden, als Konsumenten eines gewissen Angebots. Um einen wahrhaften Unterrichtsmarkt zu schaffen, muss man diesen Kunden die Wahl zwischen verschiedenen Produkten lassen, wie für irgendeine Ware, die man im Supermarkt kaufen würde – für die Bildung wird dies also die Wahl der Schule sein (die an keine geografische Logik mehr gebunden ist), die Wahl der Unterrichtsprogramme, die Wahl der Sprachen, ja sogar der Preis der Ausbildung.
Und es ist genau das, was zurzeit in Luxemburg aufgebaut wird.
Die Förderung des Wettbewerbs zwischen den Schulen unter dem Vorwand der „Autonomie“
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Die International School Michel Lucius (ISML), die englischsprachige Kurse auf Grundschul- und Sekundarschulebene anbietet, ist ein Paradebeispiel der Missstände dieses Systems. Ursprünglich richtete sich diese Schule an Kinder aus Familien, die sich nur zeitweise in Luxemburg niederlassen, oder auch an junge Flüchtlinge. Heute hat mehr als ein Drittel der im Sekundarunterricht eingeschriebenen Schüler die Grundschule im luxemburgischen System besucht. Eine der Ursachen ist, weil das ISML viel weniger anspruchsvoll als das Luxemburger System ist, was das Niveau von Französisch und Deutsch anbelangt. Doch dies erschwert diesen Schülern nicht nur das Weiterstudieren in einer nicht-englischsprachigen Universität, sondern auch die Suche nach einer Arbeit auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt, der immer noch vom Französischen dominiert wird. Dazu kommt, dass die Schulprogramme des ISML zu hohen Preisen bei der Firma Pearson, einem großen britischen Akteur auf dem privaten Ausbildungsmarkt auf internationaler Ebene, eingekauft werden. Der Luxemburger Staat hat demnach jeglichen Einfluss auf die ISML-Programme aufgegeben. Der englische Dienstleister verbessert sogar – gegen Zahlung – sämtliche schriftlichen und mündlichen Examen der IIIe und Ire – im Vereinigten Königreich!
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Der OGBL zählt die Mehrsprachigkeit zu den Reichtümern des Landes, trotz aller spezifischen Schwierigkeiten, die es in der Praxis geben kann. Es muss verhindert werden, dass dieser Vorteil abgeschwächt wird, indem Schulsysteme angeboten werden, die sich nur auf eine Sprache konzentrieren. Das trägt dazu bei, dass die sprachlichen Schwächen der Schüler eher verstärkt als vermindert werden. Die Schwächen sind meist bedingt durch die Herkunft der verschiedenen Schüler und bergen die Gefahr einer Ghettoisierung in sich.
Die öffentliche Schule muss weiterhin eine gute Vorbereitung aller Schüler, sowohl auf den Arbeitsmarkt wie auf höhere Studien, zum Ziel haben. Dafür ist es notwendig, Französisch, Deutsch und Englisch weiter auf einem hohen Niveau zu unterrichten, und man muss die Mittel der Schulen und Lyzeen verstärken, um ganz besonders die Schüler zu unterstützen, die in einer oder der anderen der drei Sprachen Schwierigkeiten hat.
Die Politik des Wettbewerbs und der schleichenden Kommerzialisierung schwächen den Universalcharakter des öffentlichen Schulsystems. Sie verbreitet und unterstützt ebenfalls ein geschädigtes Image des öffentlichen Schulsystems: Schulversagen, Verschlechterung des Niveaus der Schüler, veraltete Infrastrukturen, mangelhafter und altmodischer Unterricht. All dies trägt dazu bei, dass die Eltern ein Angebot an Privatunterricht fordern, das besser an ihre spezifische Situation angepasst zu sein scheint. Die Immigranten könnten sich von einem Alphabetisierungsangebot in ihrer Muttersprache angesprochen fühlen, ohne sich dabei der negativen Folgen für ihre Kinder bewusst zu sein. Die Förderung der Schulautonomie könnte die Nachfrage nach konfessionellen Privatschulen (christliche, muslimische oder andere) mit sich bringen, die sich nicht mehr an nationale Programme zu halten bräuchten…
Die Gefahr besteht indirekt, dass solche Entwicklungen die sozialen Ungleichheiten vergrößern und den Zusammenhalt der Gesellschaft untergraben. Das „vielfältige“ Angebot kann den Eltern als disparat, undurchsichtig und komplex erscheinen, hauptsächlich wenn sie selbst nur über eine begrenzte Ausbildung verfügen. Die sozial anfälligeren Schichten laufen so die Gefahr sich in „Ghetto“-Schulen wiederzufinden, denen es an Mittel, an Kapazitäten und an Qualität fehlt, wobei die wohlhabenderen Familien ihre Kinder zu einem Angebot von hoher Qualität orientieren werden, die jedoch privat und kostenpflichtig sein wird.
Für den OGBL kann nur die öffentliche Schule, die alle Kinder aufnimmt, ohne sie nach sozialem Status, kultureller Herkunft, religiöser oder anderen persönlichen Überzeugungen der Eltern zu trennen die erforderliche Basis für eine demokratische und solidarische Gesellschaft schaffen. Der einheitliche und universelle Charakter der öffentlichen Schule muss demnach beibehalten und sogar verstärkt werden. Um Chancengleichheit zu gewährleisten, muss die Grundausbildung es ermöglichen, die sozialen und kulturellen Ungleichheiten, aber auch die Ungleichheit zwischen Geschlechtern zu kompensieren.
In diesem Sinn müssen die politischen Entscheidungsträger, sowohl auf nationaler wie auch auf lokaler Ebene, die öffentliche Schule unterstützen, indem sie ihr die notwendigen Mittel geben, um diese Ziele zu erreichen. Dies umfasst, , sowohl in der Grundschule als auch im Sekundarunterricht Investitionen in moderne und attraktive Infrastrukturen, aber auch in Ausbildung und Einstellung von genügend Lehrkräften. Die Anzugskraft des Lehrerberufs hat in den letzten Jahren abgenommen durch die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, bedingt unter anderem durch die schleichende Zunahme der Verwaltungsaufgaben außerhalb der Schulstunden, sowie der Einführung eines nutzlosen Referendariats von drei Jahren – die auf vier Jahre universitärer Ausbildung folgen –, das von Einkommensverlusten begleitet ist. Dies hat zu einem Mangel an Lehrkräften in der Grundschule geführt. Es ist höchste Zeit, dass gegen diese verhängnisvolle Entwicklung vorgegangen wird.
Die Bildungspolitik muss ein Ganzes bilden – vom „Précoce“ bis zur Hochschule. Die Einfügung der Früherziehungs- und Vorschulaktivitäten in ein Globalkonzept des öffentlichen Unterrichts, muss dazu beitragen, Chancengleichheit für alle Kinder zu garantieren. Es muss verhindert werden, dass Sprachbarrieren, soziale Diskriminierungen und kulturelle Unterschiede schon bei der Grundausbildung unüberwindbare Hindernisse darstellen.
Der Staat muss auch seine Rolle im Bereich der Berufsausbildung erfüllen. Er muss die notwendigen Investitionen vorsehen, um Aus- und Weiterbildungsstrukturen einzurichten, die den Anforderungen entsprechen, die sich aus den technologischen Umwälzungen und den damit zusammen hängenden Änderungen der Berufsprofile ergeben.
Der OGBL mahnt die Unternehmen dazu, auch ihre Verantwortung zu übernehmen und sich an der Finanzierung der Aus- und Weiterbildung zu beteiligen, zum Beispiel über die Einführung einer Ausbildungssteuer. Darüber hinaus spricht sich der OGBL für sektorale Ausbildungszentren, die paritätisch von den Sozialpartnern verwaltet werden, und für die Einführung eines wahrhaften Individualrechts auf Weiterbildung für sämtliche Arbeitnehmer aus.
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